Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein paar Gedanken zum Schluss

So. Habe soeben noch ein paar Bilder in die beiden vorhergehenden Posts eingefügt.

Ich bin also wieder gut in Deutschland angekommen. Das Praktikum bei Bayer-Schering Pharma läuft gut, und mir gehts eigentlich rundum bestens.
Außerdem habe ich jetzt natürlich mal Zeit, meinen letzten Post zu schreiben ;)
Was schreibt man da eigentlich? Vielleicht einfach ein paar abschließende Gedanken zum Thema Erasmus und Auslandsaufenthalt allgemein.

Es hat sich wahnsinnig gelohnt, nach Schweden gegangen zu sein. Mein ursprüngliches Ziel, besser und fließender Englisch zu sprechen, habe ich zweifellos erreicht, und außerdem spreche ich jetzt noch recht gut Schwedisch, womit ich eigentlich nicht so ganz gerechnet hatte.
Auch die Erfahrungen, die man im Ausland macht, sind Gold wert. Man fühlt sich zunächst mal selbst als Ausländer, man versteht die Sprache fast gar nicht, man ist auf die Rücksichtnahme anderer und auf deren Verständnis angewiesen. Umso schöner, wenn man eben jene Rücksichtnahme tatsächlich erfährt, wie es hier fast ausnahmslos der Fall war.
Außerdem lernt man eine Unmenge interessanter Leute kennen. Es ist interessant und spannend, sich mit Studenten aus aller Herren Länder zu unterhalten, wie zum Beispiel das Studium in ihrem Heimatland geregelt ist, was dort alles anders ist als in Schweden und warum sie überhaupt nach Schweden gekommen sind. Auch wenn mir am Anfang der Kontakt zu den Schweden selbst eher etwas schwer gefallen ist, war es am Ende doch umso schwieriger, meine schwedischen, neu-schwedischen und internationalen Freunde hier zurücklassen zu müssen. Vielleicht ist das der größte Nachteil am ERASMUS: dass man Freunde findet, und wieder verliert, denn trotz aller Hoffnungen den ein oder anderen sicher noch einmal wiederzusehen, eine aktive Freundschaft lässt sich wahrscheinlich nicht dauerhaft aufrechterhalten.
Gab es sonst noch Nachteile? Das Geld, würde ich sagen. Ohne ein gutes finanzielles Polster, und Eltern, die einem im Zweifelsfall auch mal finanziell unter die Arme greifen, ist so ein Auslandssemester grade hier in Schweden kaum zu bewerkstelligen. In jedem Fall würde man wahrscheinlich bei den wirklich schönen, aber teuren Dingen, wie Ausflügen, sparen müssen.

Vielleicht noch ein paar Worte dazu, was ich am meisten in Schweden vermisst habe, und was ich am meisten jetzt in Deutschland vermissen werde:

In Schweden gab es einfach keine wirklich gute Schokolade. Milka wird so gut wie nicht verkauft, und die Ferrero-Sachen (insbesondere Kinderschokolade) genausowenig. Es gibt eine schwedische Marke, die auch gut schmeckt, aber in Sachen Auswahl und Packungsgröße (^^) nicht mit Milka mithalten kann.

Die Türen in Schweden werde ich sicherlich auch nicht vermissen: Die meisten hatten einen Türdrücker oder -knauf und zusätlich, etwas weiter unten, noch eine Art Drehverriegelung, was den Effekt hatte, dass man kaum eine Tür mit nur einer Hand öffnen konnte. Wer hat sich sowas nur ausgedacht?

Was auch etwas genervt hat, war dass es in Schweden keine ordentliche Kneipenkultur gab. Fast alle Restaurants haben an Sonn- und Feiertagen geschlossen - das wäre in Deutschland absolut unvorstellbar. Aber scheinbar gehen die Schweden an solchen Tagen nicht in Gaststätten...

Dummerweise ist die Liste dessen, was ich hier in Deutschland vermissen werde, erheblich länger. Allem voran vielleicht die Gelassenheit und der Gleichmut der Schweden. Es gibt dort schon deutlich weniger Hektik und Gerenne als hier in Deutschland, ein Beispiel dafür ist die Supermarktkasse:
Sachen aufs Band legen, warten, bezahlen, in Ruhe einpacken. Hier in Deutschland muss man mit einer Hand bereits das Geld rüberreichen, wärend man mit der anderen schon die Sachen in den Wagen schaufelt...klingt albern, aber so ein kleines bisschen mehr Ruhe beim Einkaufen würde uns allen guttun, glaube ich ;)
Dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass Schweden dünner besiedelt ist als Deutschland, weswegen man Staus nur in Ausnahmefällen hat, die Innenstädte nicht verstopft und überlaufen sind und man im Durchschnitt kleinere Städte hat, die aber vom Unterhaltungsangebot her mit einer deutschen Großstadt vergleichbar sind, weil eben einen 300.000-Einwohnerstadt wie Malmö immerhin die drittgrößte Stadt Schwedens ist, und damit eben Kultur und Shoppinggelegenheiten für das Umland bieten kann, ohne selbst eine sehr große Stadt zu sein. Da ich Großstädte nicht so besonders mag, finde ich soetwas natürlich sehr angenehm ;)
Was mir ebenfalls gefallen hat, war die Freundlichkeit und Toleranz, der man in Schweden begegnet. Die Schweden sind nicht besonders offen oder extrovertiert (außer wenn sie betrunken sind, natürlich) aber sie sind meist freundlich und zuvorkommend, und helfen einem auch gerne in Problemsituationen weiter.

Eigentlich könnte ich noch viele Sachen aufzählen, die ich vermissen werde, schließlich hat es mir in Schweden ausgesprochen gut gefallen. Ob ich auswandern würde? Ich glaube nicht, dazu bin ich meinem Heimatland wahrscheinlich zusehr verbunden ;) Aber wenn ich auswandern müsste, dann würde ich nach Schweden gehen :)

Insgesamt kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen, so eine Erfahrung zu machen, für mich war es ein Jahr mit wenig Stress, viel Spaß, vielen Freunden und vielen neuen Eindrücken. Ein Jahr einfach das Leben genießen und auf sich wirken lassen - es ist eher fraglich, ob ich soetwas noch einmal erleben darf, und umso mehr freue ich mich, die Gelegenheit gehabt zu haben.

So, das soll mein letzter Eintrag in diesem Blog gewesen sein (ich hebe mir die Texte aber natürlich auf).
Ihr könnt gerne noch Kommentare schreiben, ich werde sicher noch ein paar mal reinschauen. Oder ihr schreibt mir wieder ganz "klassisch" eine Mail :)
An dieser Stelle noch mal vielen, vielen Dank an alle meine aktiven und passiven Leser, ohne euch hätte ich schon lange die Lust verloren, hier weiterzuschreiben!


Ha det så bra!
Miriam

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Du,
Auswandern würde alleine auf Grund der unzureichenden Schokoladenversorgung ausfallen...;)
Da stimme ich Dir absolut zu!

LG
L

Anonym hat gesagt…

Hallo Miri,
vielen Dank für deine Karte, kam leider jetzt erst an, weil die Adresse falsch war, aber macht nichts.
Na dann noch eine schöne Zeit in Berlin. Und bis bald, zu meiner Einzugsparty.
lg Janine